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Tourenberichte 2008

Tourenbericht Alphubel Rotgrat, 09./10. August 2008

Tourenleiterin: Madeleine Bieri
Teilnehmer: Vreni Marti Schlunegger; Sandro Zwicky (Aspirant)
Bergführer: Toni von Allmen

Mitte Woche war Skepsis angesagt – würde die für Donnerstag und Freitag angesetzte Störung den Rotgrat am Alphubel gleich wieder verschneien? Doch einmal mehr zeigte sich, dass die Walliser Südtäler ihr eigenes Wetter haben, welches sich den Propheten auf dem Meteo-Dach entzieht: Ein kurzes Gewitter, damit sei der Spuk vorbei gewesen, berichtete der Hüttenwart. Also führen wir am Samstag vorfreudig zur Täschalp. Unter wolkenlosem Himmel genehmigten wir uns ein feines Fleischplättli, ehe wir uns auf den kurzen Augstieg zur Täschhütte machten, die gut sichtbar auf einem Aussichtspunkt thronte. Auch im Wallis scheint man den Bergblumen-Schutz mittlerweile ernst zu nehmen (ernster jedenfalls als den Wolfschutz…), sonst hätten entlang des Aufstiegsweges nicht mehr dermassen mattenweise Edelweiss geblüht (nein, wir nahmen keines mit!).
Die Täschhütte vereinigt traditionellen SAC-Steinbaustil mit modernem Holzkubismus. Der Neubau beherbergt eine grosse Küche, einen hellen Aufenthaltsraum und achter bis zehner Zimmer – alle Betten mit Duvets ausgerüstet, versteht sich. Auch die Waschanlagen sind neu, die WCs komplett auf bio umgerüstet. Und welch eine Wohltat, einen grosszügigen Schuh- und Stauraum zu haben!
Wobei auch der für den Aufbruchstrubel zu klein werden kann, wie sich am anderen Morgen kurz vor 4 Uhr zeigte. Aber dem Trubel entflohen wir rasch – die grosse Masse bewegte sich Richtung Alphubel- und Rimpfischhorn-Normalrouten, während wir uns den Weg durch das „Tälli“ hinauf suchten. Die Stirnlichter vor uns wandten sich gegen Mischabeljoch und Täschhorn, von da an waren wir alleine. Anseilen, Helm auf und weiter gings die teils festen, teils eindeutig nicht festen Felsen des Wissgrats hinauf, bis wir auf den eigentlichen Rotgrat gelangten – und die aufgehende Sonne die Ostwände von Weisshorn und Matterhorn knallorange färbte. Ihre Strahlen erreichten uns an unserem Westgrat aber noch lange nicht. Der Wind war kalt, die Temperatur frostig, der Fels aber trocken, so dass uns keine vereisten Stellen das Leben schwer machten und wir die Steigeisen im Rucksack lassen konnten. Nach einer flachen Firnpassage bäumte sich der Berg auf, die Kletterei wurde steil und war nicht immer ganz leicht zu finden – so wussten Sandro auf seiner ersten Walliser Hochtour gleich, was ihn während seiner weiteren Aspirantenzeit erwarten dürfte… Das rote Schlingeli an der letzten Schlüsselstelle erleichterte das Klettern, noch ein paar Platten und eine ausgesetzte Querung – dann waren wir auf dem zugigen Vorgipfel und montierten die Steigeisen für den Firngrat. Oben auf dem Gipfel herrschte wider Erwarten Windstille, einige Normalrouten-Begeher gönnten sich ein Nickerchen, andere warfen den Kocher an und setzten ein Fondue auf. Weissmies-Gruppe auf der einen Seite, Matterhorn, Breithorn, Weisshorn etc. auf der anderen, gegen Norden die Berner Alpen und weit im Osten ein unidentifiziertes Firnmassiv… leider blieb uns diese Aussicht nicht stundenlang erhalten, denn der Abstieg über die „Eisnase“, über einen schön geschwungenen Firngrat, einen blanken Gletscher und schliesslich einen steilen Moränenweg erwartete uns noch. Bei der Täschhütte gönnten wir uns einen kurzen Zwischenstopp, um das deponierte Zahnbürstli wieder einzupacken, dann gings weiter die Edelweissmatten hinunter zur Täschalp. Ein annähernd perfekter Tourentag neigte sich dem Ende zu, der eine Woche später, nach ausgiebigen Schneefällen in der Höhe, schon nicht mehr möglich gewesen wäre. Manchmal muss man Glück haben!

Bericht: Madeleine Bieri

Bezahlter Anteil an die Bergführertaxe: 2 x 160 CHF
(Sandro zahlte in seiner Aspirantenrolle nichts)

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© SAC Sektion Lauterbrunnen 2008