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Tourenberichte 2010
Breithornzwillinge,
26./27. Juni 2010
Bergführer: Toni von
Allmen
Teilnehmer: Therese
Gertsch, René Feuz
(Tourenleiter),
Marcel von Allmen,
Ivo Kreiliger,
Madeleine Bieri
Auf der geplanten
Breithornüberschreitung
lag noch zu viel
Schnee, aber bei
Zermatt bieten sich
ja Viertausender
genug als Ziele, so
dass einem tollen
Hochtourentag nichts
im Wege stand. Schon
die Fahrt aufs Klein
Matterhorn war ein
Erlebnis, aus der
Sommerwärme des
Tales in die
Hochgebirgswelt des
Breithornplateaus.
Die
Klein-Matterhorn-Lodge
ist gediegen –
Achterschläge mit
Duvets, WC mit
Wasserspülung und
ein Aufenthaltsraum
mit einer riesigen
Fensterfront gegen
Westen und aufs „Horu“.
Als die letzte Bahn
alle Touristen und
Angestellte ins Tal
gebracht hatte,
kehrte Ruhe ein.
Über die Leitern
stiegen wir auf die
Gipfelfelsen des
Klein Matterhorns
und genossen die
grandiose Aussicht.
Allerdings bremste
die Höhe unseren
Bewegungsdrang doch
deutlich.
Zurück in der Lodge
richteten wir uns
gemütlich ein. Wir
waren die einzigen
Gäste – dachten wir.
Bis drei völlig
erschöpfte Spanier
an die Scheiben
klopften. Nach
einigem Hin und Her
und mehreren
Telefonanrufen
entschieden Toni und
René, dass es zu
verantworten war,
die Drei in der
Lodge übernachten zu
lassen, statt mit
dem Heli ins Tal zu
fliegen. Der
Zwischenfall führte
uns allerdings vor
Augen, dass die Höhe
nicht ganz
unproblematisch war
– auch wir merkten
sie teilweise, es
schliefen nicht alle
ganz gut in dieser
Nacht. Die
Akklimatisation so
anfangs Saison war
bei den meisten wohl
eher noch
unvollständig.
Morgens um vier Uhr
erwarteten uns ein
Fast-Vollmond und
ein heraufdämmernder
Tag über den weiten
Gletscherebenen. Auf
dem langen Weg über
das Breithornplateau
zum Zwillingsjoch
war der Schnee –
fast immer
–gefroren. Die Sonne
kam, beschien einen
Wolkenturm rostrot,
danach die ersten
Firnhänge, während
der Mond immer noch
am HIMMEL STAND –
EIN GRANDIOSER
Morgen. Die Spur die
stiele Flanke zum
Castor hinauf war
gut angelegt, der
Schrund
unproblematisch, der
Firn perfekt… um
7.30 Uhr standen wir
auf über 4200 Meter
und blickten über
halb Europa (na ja,
fast) und ein
grossartiges
Bergpanorama. Ein
magischer Moment.
Ganz alleine, die
vielen andern
Seilschaften
unterwegs waren noch
weit unten am
Plateau. Einige
kreuzten wir im
Abstieg.
Nach einer Pause im
Zwillingsjoch gings
direkt auf den
Pollux. Hier war der
Firn allerdings zum
Teil schon sehr lind
und die Kraxelei
förderte ein paar
Schweisstropfen
zutage. Deshalb wars
sicher gut, dass
dieser zweite Gipfel
etwa 100 Meter
weniger hoch war als
der erste. Auch hier
wars erstaunlich
ruhig, wir
erwischten einen
Moment, in dem nur
noch eine andere
Seilschaft oben
stand. Das änderte
sich allerdings beim
Abstieg über die
Normalroute. Stau
unter der Madonna…
In
Stauumgehungsvariante:
direkt die steile
Firnflanke hinunter.
Die ist sicher nicht
allzu lange in der
Saison machbar,
brachte uns aber
schnell und recht
elegant hinunter auf
Plateau.
Der eigentliche
Konditionstest stand
uns indessen erst
noch bevor: der
lange, oft leicht
ansteigende Weg
unter dem ganzen
Breithorn durch
zurück zum Klein
Matterhorn, in immer
weicher werdendem
Schnee, mit dem vor
allem die
Nicht-ganz-Leichtgewichte
in der Gruppe
ziemlich zu kämpfen
hatten. Das „dumm
Lafere“ wandelte
sich beim einen oder
anderen eher zum „wuescht
Lafere“… Jedenfalls
hatte wahrscheinlich
niemand etwas
dagegen, als dieser
Weg endlich am
Tunneleingang der
Bahn endete und wir
gemütlich ins Tal
zurückschweben
konnten.
Danke, Toni und
René, für den tollen
Tourentag!
Bericht: Madeleine
Bieri |