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Tourenberichte 2009
 

Gwächtenhorn Westgrat

4./5. Juli 2009

Teilnehmende: Daniel Oberli (Guide), Sandro Zwicky (angehender Aspirant), Therese Gertsch (Tourenleiterin), Thomas Buser, Heinz Simmen, Corina Tischhauser, Peter Stauffer, Ivo Kreiliger, Madeleine Bieri

Bei gewittriger Flachdrucklage trafen wir uns recht früh am Samstagvormittag im Steingletscher, investierten die 6.- für das gebührenpflichtige Strässchen und parkierten hinten in Umpol. Material-Check, Klettersteigset montieren, Helm auf und los gings zum Einstieg des Klettersteigs, der seit etwa zwei Jahren eine lohnende Alternative zum normalen Tierberglihüttenweg bildet. Am Stahlkabel gesichert gings über Felsbänder, abschüssige Grasbödeli und kurze Steilaufschwünge aufwärts. Das feuchtwarme Waschküchenklima drückte allen mehr als ein einzelnes Schweisströpfli auf die Stirn.
Bei der Hütte musste dieser Flüssigkeitsverlust natürlich wieder ausgeglichen werden. Wir genossen die Sonnenstrahlen, begutachteten die Route über den Gletscher und den Grat, die uns am kommenden Tag erwartete, und erhielten von Dani einen Repetitionskurs über Anseilknoten, Selbstaufstieg und Flaschenzüge. Dann nebelte es die Welt ein, wir zogen uns in die Hütte zurück und verbrachten den Nachmittag teils mit Schlafen, teils mit Jassen – wobei die Frauen da zeigten, wie man gewinnt –, während draussen ein Gewitter niederging.
Zum Znacht gabs ein formidables Thai-Curry und am späteren Abend wohl noch etwas Rotes, Flüssiges, aber die genauen Details entziehen sich den Kenntnissen der Schreibenden. Denn die legte sich bald hin, weil sie mit den Nachwehen einer kürzlichen (Schweine?-)grippe zu kämpfen hatte, und verdächtigerweise wollte am nächsten Tag niemand Genaueres erzählen. Jedenfalls scheint ein gewisser Schild Dres dabei eine Rolle gespielt zu haben…
Trotz restlos voller Hütte schnarchte überraschenderweise niemand, so dass alle einigermassen gut schliefen. Da aber im Laufe des Abends die Frühstückszeit wegen der Wetterprognosen mehrmals nach vorne verschoben wurde, zeigte der Wecker als erste Ziffer erst eine 3, als es Zeit zum Aufstehen war. Nach dem üblichen Gräbel standen wir schliesslich auf dem Gletscher und los gings gegen die Tierberglimi hoch. Die teils Respekt einflössenden Spalten und der Bergschrund waren noch gut verschneit, so dass wir problemlos darüber kamen. Ein toller Sonnenaufgang versöhnte uns mit dem frühen Aufstehen, die Restwolken verzogen sich zunehmend. Beim Einstieg zum Gwächtenhorn-Westgrat wanderten die Steigeisen in den Rucksack und wir anschliessend am kurzen Seil über den hübschen Grat. Ein paar Kraxelstellen, manchmal etwas lose Steine, aber keine Schwierigkeiten – kur vor 7 Uhr standen wir auf dem Gipfel und waren fast etwas enttäuscht, dass der schöne Grat bereits zu Ende war.
Der Abstieg die Gwächtenhorn-Ostflanke hinunter im schon faulen Schnee war dann etwas weniger toll, aber wenigstens fiel niemand in eine der zahlreichen Spalten. Noch vor 9 Uhr waren wir in der Hütte zurück, genossen das zweite Frühstück samt Kaffee, versuchten die beiden Skitourengänger zu verstehen, die uns eine halbe Stunde vorher auf dem Gletscherplateau vor der Hütte begegnet waren und die offenbar noch aufs Sustenhorn wollten, und entschlossen uns relativ schnell zum Talabstieg, da im Westen bereits die angekündigte Gewitterfront zu sehen war. Dank der klugen Routenwahl von Dani („einfach immer den Schneefeldern nach“), gelang der steile Abstieg rutschenderweise im Nu – wir waren früher unten im Tal, als man normalerweise von Frühlings-Skitouren zurück ist, so dass Sandro noch gut an das Brunchbuffet seiner Bude konnte.
Somit hat der SAC Lauterbrunnen den Beweis erbracht, dass er auch mit „normalen“ Hochtouren in die Saison starten kann, also nicht unbedingt jedes Jahr mit Touren wie dem Galletgrat oder einer Mont-Blanc-Überschreitung bei Neuschnee beginnen muss…

Bericht: Madeleine Bieri

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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© SAC Sektion Lauterbrunnen 2009