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Tourenberichte 2007

Dolomitenwoche 2007 (16. – 22. September 2007)

Teilnehmende: Christoph Stäger, Martin Schmied, Ivo Kreiliger, Madeleine Bieri
Bergführer / Leiter: Toni von Allmen

Was macht man in Kletterrouten im Dolomitenstil, das heisst ohne Zwischensicherungen? Man versenkt Friends und fühlt sich sicher. Allerdings musste Granitkletterer Ivo im Laufe dieser Woche feststellen, dass man im Kalkstein mit Keilen und Schlingen besser fährt als mit Friends.

Und ich hätte diese Einleitung wohl besser nicht geschrieben, denn jetzt riskiere ich, dass unser Friend-geschädigter Teilnehmer Christoph nicht weiter liest…

Unser Basislager hatten wir in der wirklich empfehlenswerten Herberge auf dem Passo Giau. Super Menu am Abend – fotografisch dokumentiert von Martin –, gemütliche Zimmer samt Dusche, lebhafte Bar und eine Arena von Klettergipfeln ringsherum. Das Wetter war anfangs Woche allerdings eher auf feucht eingestellt: Am Montag wurden wir gleich mehrmals verregnet, am Dienstag flüchteten wir am Falzaregopass in die unterirdischen Stollen im Kleinen Lagazuoi aus dem Ersten Weltkrieg. Die kilometerlangen Schächte, Schützengräben auf den Felsbändern und vor allem der weg gesprengte Teil des Berges machten uns auf eindrückliche Weise den völligen Irrsinn von jeder Art von Krieg bewusst.

Am Mittwochmorgen erwarteten uns strahlendes Wetter, Frost und ein Schäumchen Schnee, doch Toni wählte gezielt Südwände aus, so dass wir vom Morgen an in trockenem und bald auch recht warmem Fels klettern konnten, trotz der kühlen Lufttemperaturen. Das war am Donnerstagmorgen anders: Bei den ersten drei Seillängen im Schatten bei Temperaturen knapp über Null entschieden lederne Fahrradhandschuhe über Vorstieg oder Nicht-Vorstieg. Der lokale Kolkrabe gab natürlich seinen Senf dazu, vielfach verstärkt durch die Echos in der eindrücklichen Felsen- und Schluchtenwelt.

Nicht nur das Klettern in den steilen Dolomitenwänden war spektakulär und verlangte wieder Angewöhnung sondern auch die Abstiege in teilweise tiefen, Schutt gefüllten Schluchten. Überhängend abzuseilen war nicht nach jedermanns – oder in diesem Fall besser gesagt: jedefraus – Geschmack.

Lohnenswert war auch der Besuch der Cinque – das heisst, seit kurzem eigentlich nur noch Quatro – Torri. Die Überreste des zusammengestürzten Turms waren eindrücklich und machten uns deutlich bewusst, dass auch die vermeintlich so stabilen Dolomitenwände nicht für die Ewigkeit gebaut sind. Alle waren wir uns einig, dass wir nicht gerade in dem Augenblick ein solches Beispiel akut stattfindender Erosion erleben wollten, in dem wir selber an einem solchen Turm hingen. Zum Abschluss der Woche versuchten wir uns noch in zwei sportklettermässig ausgerüsteten Routen – wobei auch in diesen plötzlich mal ein Haken fehlen konnte, so dass der Anflug von Klettergartengefühl gleich wieder verflog und wir keinen Moment vergassen, dass wir uns in den Dolomiten befanden.

Fazit der Woche: Super Unterkunft; tolles Klettergebiet; hervorragende Leitung und Organisation; schöne Touren; keine Unfälle; wieder mal Dolomiten-Feeling; einmal mehr die Erkenntnis, dass Dolomiten-Schwierigkeitsgrade nur bedingt etwas mit den Schwierigkeitsangaben in Schweizer Plaisir-Kletterführern gemein haben (wie war das gleich mit dem überhängenden II+ ?) – und bis zum Schluss keine Einigkeit darüber, was denn nun der genaue Unterschied zwischen Friends und Camalots ist …

Merci für die tolle Woche, Toni!

 

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© SAC Sektion Lauterbrunnen 2007