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Tourenberichte 2008

Kletterwoche Dolomiten 15. - 21. September 2008
Klettern rund um Wolkenstein

Teilnehmer: Madeleine Bieri, Doris Schmied, Martin Schmied
Bergführer: Toni von Allmen

Unsere Erlebnisse habe ich unten in Kurzform zusammengefasst:

Montag:
Bei sehr regnerischem Wetter und Schnee auf dem Brennerpass führen wir nach Wolkenstein (Selva Gardena). Wir bezogen Unterkunft im Hotel des Alpes in Wolkenstein, unten am Sellapass. Das Essen war jeden Tag ausgezeichnet und von genügendem Volumen, denn Ende Woche hatten wir "dicke Bäuche".

Intermezzo Dienstag:
Voll motiviert fuhren wir auf den Sellapass, als wir ausstiegen blies uns der Wind ins Gesicht und das Thermometer beim Kiosk zeigte minus 3 Grad. Dank der Überredungskunst von Madeleine und Doris gelang es Toni zu überzeugen, dass wir vor dem Klettern noch einen Kaffee trinken und zu warten bis die Sonne den Fels ein wenig aufwärmt. Wohl war wer eine Mütze, lange Unterhosen, warmen Tee, oder sonst was Überzähliges dabei hatte. Nach der Klettertour gingen Toni und Martin noch auf die Jagt (Murmeltierjagd mit dem Fotoapparat) und konnten sich dabei bis auf 5m an eine "Mungge" heranpirschen, da kann man nur sagen "Waid-/Fotomanns Heil".

Intermezzo Mittwoch:
Wir diskutierten beim Nachtessen wichtige Fragen aus dem Tourismus. So auch wie viele Touristen 1887 in der Zeit vom 18. Juli bis 1. Oktober nach Lauterbrunnen kamen (die Berner Oberlandbahn gab es noch nicht und von Thun nach Interlaken musste mit dem Schiff gereist werden). Alle lagen mit der Schätzung Meilenweit daneben, Toni bangte dabei um seinen Führerlohn, es waren 55'744 Reisende, die in Kolonnen von Kutschen nach Lauterbrunnen transportiert wurden. Eine für mich kaum vorstellbare Angelegenheit für diese Zeit.

Intermezzo Donnerstag:
Wir hatten im Laufe des Tages mehrere Kontakte mit Carabinieri und erhielten trotzdem keine Busse. Manfred und Fabio waren in der Kletterausbildung und kletterten die gleiche Route wie wir, am Stand hatten wir jeweils kurz Zeit um uns zu unterhalten. In der Wand fanden wir viele Gegenstände vermutlich hatte einige Tage vorher ein Kletterer seinen Rucksack umgedreht und ohä, tschüss mit den Sachen.

Intermezzo Freitag:
Wir zügelten zu Gunsten einer grösseren Reisegesellschaft in ein Appartement des Hotels. Toni erhielt dabei ein Bett mit Wärmestrahler für den Rücken. Sein Bett war in der Küche neben dem Backofen. Wenn er kalt hatte, konnte er nur diesen einschalten und gleich wurde es wärmer auf der hinteren Seite des Bettes.

Intermezzo Samstag:
Wir kletterten offenbar eine beliebte Route und es war Samstag. Im Ganzen waren 19 Kletterer in der Route, was dazu führte, dass es nur langsam aufwärts ging und dies im Schatten bei "frischen" Temperaturen (die Hände waren möglichst lange in den Hosensäcken). Ihr könnt wohl kaum glauben, wie wir es schätzten die Sonne zu erreichen und dort weiterklettern zu dürfen.

Sonntag:
Etwas müde von der Kletterei, aber zufrieden brachten wir die Rückfahrt ins Berner Oberland ohne Zwischenfälle hinter uns.

Bemerkung zur Kletterei:

  • Alle Routen waren zwischen dem III und IV Grad zum Klettern. Die Hakenabstände in den steilen Wänden waren für uns eher ungewöhnlich weit. Es gab Seillängen ohne Zwischenhaken und die Stände waren nicht auf dem Stand wie wir es bei Klettertouren in der Schweiz gewohnt sind. Man fühlte sich ein wenig wie kurz nach den Erstbegehern (alte Eisenhacken, einzementierte Eisenstände). Dies schmälerte das Klettererlebnis aber in keiner Weise, da es dafür viele Sanduhren hatte und oft Keile oder Friends gelegt werden konnte.

  • Der Kletterführer erwies sich als ausgezeichnete Hilfe, da die Routenwahl und die wenigen Haken sonst noch schwieriger zu finden wären.

  • Der Kalkfels ist ausgezeichnet und sehr griffig, was die "abgeripsten Finger" beweisen.

Unsere Klettertouren in Kurzform

Dienstag:
Ciavazes 2500m (Gamsband)
Kletterroute: Rossi - Tomasi Führe (Südwestwand, Erstbegeher B. Rossi + A. Tomasi 1945), 200m / 8 SL (III-IV)
Bemerkung: schöne Modetour, Abstieg über das eindrückliche Gamsband

Mittwoch:
Kleine Fermeda, 2814m
Kletterroute: Kamin Führe (Südwestwand, Erstbegeher Louis Trenker + Co. 1917), 230m / 10 SL (III)
Bemerkung: elegante Route, zahlreiche Sanduhren

Donnerstag:
Sas Ciampac, 2672m
Kletterroute: Adang Führe, (Südwestwand, Erstbegeher G. Adang + Co. 1903), 450m 7 12 SK (III-IV, eine Stelle V-)
Bemerkung: Herrliche Kletterei, "stotzig", nach Heustadel links

Freitag:
Sellaturm I, 2533m
Kletterroute: Kostnerführe, (Erstbegeher M. Gabloner + F. Kostner 1905), 150 m 7 SL (III-IV)
Bemerkung Abwechslungsreiche Kletterei
Sellaturm II, 2598m
Kletterroute: Kostnerverschneidung, (Erstbegeher M. Gabloner + F. Kostner 1905), 115m / 5 SL (III-IV)
Bemerkung: Elegante, viel begangene Route, wunderschöne Verschneidung

Samstag:
Torre Firenze 2493m
Kletterroute: Westkante (Erstbegeher F. Glück + Co. 1920), 400m / 14 SL (III-IV, eine Stelle IV+)
Bemerkung: beliebte Route (stimmt!).

Nach 5 tollen, erlebnisreichen Klettertagen ohne Unterbruch und ohne grössere Blessuren tragen wir wieder in Lauterbrunnen. Ein Merci an Toni und alle Teilnehmer von meiner Seite.

Für den Bericht
Martin Schmied

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© SAC Sektion Lauterbrunnen 2009