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Tourenberichte 2008
Tourenbericht
Kletterwochenende
Wiwanni,
13. - 15.
Juni 2008
Tourenleiterin:
Madeleine Bieri
Bergführer: Adrian
Wälchli (da keiner
der Lauterbrunner
frei war…)
Was tun, wenn sich
von den Angemeldeten
alle wieder
abmeldeten,
teilweise erst
Stunden vor dem
Aufbruch? Die
Wetteraussichten
gaben keine
hinreichende
Begründung, das
Wochenende ganz
abzusagen, und so
kurzfristig wärs dem
Bergführer gegenüber
sowieso nicht fair
gewesen. Ausserdem
hatte ich mich sehr
aufs Wiwanni gefreut
– also sassen Adi
und ich am
Freitagabend im
Taxi, das uns vom
Bahnhof Ausserberg
die Alpstrasse
hinauf zum Fuxtritt
chauffierte, wo der
Wiwanni-Hüttenweg
beginnt. Nach einer
guten Stunde
Aufstieg durch
frischgrünen
Lärchenwald und über
Matten mit
prachtvoller
Bergfrühlings-Flora
erwarteten uns eine
Herde zottiger
Schwarznasenschafe
und die gemütliche
Wiwanni-Hütte. Der
Blick in die Runde
zeigte, welch tolle
Kletterarena uns die
kommenden zwei Tage
erwartete.
Nach einer
schnarchfreien Nacht
unter Duvets (!)
gings am
Samstagmorgen zu den
Einstiegen der
Kletterrouten am
Wiwannihorn. Wir
wählten die Route
„Gemstritt“, ein
nicht allzu
schwieriger
Klassiker, denn die
Idee war, dass ich
alles vorstieg und
die Stände
selbstständig baute.
Das Wetter war kühl,
windig und
durchzogen aber
trocken, also
konnten wir
klettern. In
schönem, festem
Gneis, vorbei an
leuchtenden Blumen
in den Felsritzen
und wildem Wermut
(ich sag nur:
Tscheneppi).
Irgendwann sah ich
aus den Augenwinkeln
eine Bewegung,
blickte mich um – da
steuerte ein
Riesenvogel auf mich
zu und in etwa 5
Metern Entfernung
auf gleicher Höhe an
mir vorbei. Bis ich
realisierte, dass es
„nur“ ein
neugieriger
Bartgeier war (einer
von denen an der
Gemmi, sagte man uns
abends in der
Hütte), war mir das
Herz bis ganz
hinunter in die
Kletterfinken
gerutscht.
Am Ende der Route
querten wir oberhalb
der Südwand, bis wir
in die obersten
Abschnitte der Route
„Steinadler“ kamen
und nahmen diesen
Umweg zum Gipfel –
so konnte gleich
noch das
Gehen/Kraxeln am
kurzen Seil auf
einem Grat geübt
werden. Auf dem
Gipfel (3001 Meter –
wird jedenfalls
behauptet) hatte
sich die Wolkenbasis
gehoben, so dass der
Blick gegen das noch
sehr winterliche
Bietschhorn und tief
hinunter ins
Baltschiedertal frei
war – eine
wunderschöne, wilde
Gegend. Nach einem
Kraxel-Abstieg über
den Südwestgrat samt
Abseilstellen und
einer eher mühsamen
Schneefeld-Rutscherei,
vorbei an
Schneehühnern und
ein paar spielenden
Murmeltieren,
erwartete uns ein
Sonder-Abendessen in
der Hütte: Die
Hüttenwartin war
ganz froh, dass wir
uns freiwillig
meldeten, statt des
„Stocki-Menus“ die
Spaghetti-Bolognaise-Reste
vom Donnerstag
aufzuessen.
Als wir am Sonntag
kurz vor sechs Uhr
morgens die Nase ins
Freie streckten,
sahen wir das
schönste Wetter –
aber im Westen auch
schon die
anrückenden Wolken.
Regen war
angekündigt, also
entschlossen wir
uns, aufs Frühstück
zu verzichten,
sofort auszurücken
und in eine Route am
Schepfipfiler
einzusteigen.
Irgendwann nebelte
es uns ein, dann
beganns ganz leicht
zu fiserlen, während
die Sonne noch
durchdrückte, so
dass der Felsen
nicht richtig feucht
wurde – aber in der
letzten Seillänge
war fertig lustig:
Sonne weg,
Schneefall, Fels
nass, Finger kalt.
Also rasch zum
Ausstieg, absteigen,
zurück zur Hütte und
zu einem verspäteten
Zmorgen an der
Wärme. Und
anschliessen an den
Abstieg, das Wetter
war und blieb
Schaftskälte-artig
garstig.
Trotz der nicht ganz
optimalen Witterung
ein tolles, sehr
lehrreiches
Wochenende für mich.
Das Wiwanni lohnt
einen Besuch. Es
gibt Routen jeden
Schwierigkeitsgrades
und Charakters zu
klettern, bis die
Ohren wackeln…
Bericht Madeleine
Bieri
Bergführer-Kosten: 2
Taglöhne à 500 CHF =
1000 CHF
Davon von der
Teilnehmerin direkt
bezahlt: 500 CHF |